Die Chimera – unser Nachbar in spe
April 8, 2008
Drei Tage lang haben die Kreuzungen aus menschlichen und tierischen Zellen überlebt. Aus den sogenannten Chimären wollen britische Wissenschaftler embryonale Stammzellen gewinnen. Ethische Bedenken haben sie nicht.
Brennen sollen sie, in der Hölle schmoren bis an ihr Lebensende! Ein Verbrechen an der Natur, ja das ist es. Oder etwa nicht? Warum haben sie keine ethischen Bedenken? Was ist faul in Newcastle?
Hochbrisante Fragen, aber ich versuche mich mal an einem Lösungsansatz (der nicht unbedingt meine Meinung wiederspiegelt).
Bleiben wir bei dem undurchsichtigen Wort “Natur”. Was ist Natur?
Ein Baum? – Klar.
Ein Vogel? – Natürlich.
Ein Ölfeld in Kuwait? – Mit Sicherheit.
Der Mensch? – Sowas von.
Wir fassen zusammen: Dinge die auf der Erde vorkommen, gehören zur Natur. Weiter gehts.
Ein Schwert? – Müsste eigentlich.
Ein Automobil? – Irgendwie schon.
Ein Raumschiff? – Eher nicht.
Gentechnik? – Nein! Böse!
Ist das so? Baum, Vogel und Ölfeld sind deutlich, der Mensch ist auch nur ein Säugetier. Und die Schöpfung des Menschen?
Was unterscheidet das Schwert von der Gentechnik? Zwei Errungenschaften der Menschheit, die bei ihrer Entdeckung einen ähnlichen Effekt hatten: Sie haben alles dagewesene in den Schatten gestellt. Beide hat der Mensch aus eigener Kraft mit Ressourcen von der Erde geschaffen, 90% Gehirn und 10% Muskelkraft.
Wo ist also der Unterschied zwischen Fuchsbau und Schwäbisch Hall? Es gibt keinen. Die schöpferischen Fähigkeiten des Menschen sind nichts anderes als die schöpferischen Fähigkeiten jedes anderes Organismus’, der Mensch ist lediglich in der Lage seine Schöpfung bewusst weiterzuentwickeln. Da liegt der große Unterschied. Und sollte das bedeuten unser Mensch-Kuh-Mischwesen sei unnatürlich, wenn es doch durch unsere natürlichen Gedanken und unsere natürlichen Hände geschaffen wurde? Macht irgendwie keinen Sinn, oder?
Gehen wir an diesem Punkt mal davon aus ich hätte Recht. Diese Wirren Gedanken sind doch noch kein Grund es letztendlich zu tun, oder?
Nein, auf keinen Fall. Aber es schließt die eigentliche Tat nicht aus. Natürlich klingt die Vorstellung eines Menschen mit Hufen oder Hörnern eines Stieres für jeden klar denkenden Menschen abstoßend, und das ist auch gut so, aber was ist mit dem ersten Tier das sich aufgemacht hat den Himmel zu bevölkern? Gab es damals nicht auch einen Aufschrei in der heilen Welt der Boden- und Wasserbewohner?
Dem ersten Mensch, der mit dem Feuer gespielt hat, wurde mit Sicherheit auch nicht über den Weg getraut, aber macht man sich Gedanken darüber wenn man eine Kerze anzündet?
Meine Theorie: Die Tat legitimiert sich selbst. Alles, was zum ersten Mal getan wird, kann nicht zurückgenommen werden und wird, auf kurz oder lang, zur Routine.
Überlegen wir uns ein paar historische Beispiele: Das Feuer, Tierzähmung, Waffen aus Eisen, die Philosophie, die Politik, Krieg, Schusswaffen, Fotografie, Luftfahrt, das Automobil, Kernwaffen, Chirurgie.
Ich kann mir nur schwer den Steinzeitmenschen vorstellen, der einen “Artgenossen” einen Wolfshund Gassi gehen sieht, aber der Blick wird dem des Express-Lesers gleichen, der die Schlagzeile über unsere Chimera liest.
Was aus den Beispielen geworden ist, wissen wir alle. Sie alle gehören, ob wir es wollen oder nicht, zu unserem Alltag, und genau darauf möchte ich hinaus: Wir haben mit der Kuh angefangen, und, ob wir es wollen oder nicht, stoppen können wir es nicht.
Muh.